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Claudia Bertram Ackerbrucher Str.7 52525 Heinsberg Copyright © 2002 - 2008 Claudia's Knuffelbären
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ANNA IM LAND DER
TRÄUME Draußen
fiel leise der Schnee und bedeckte alles, was da war, mit seinen zarten weißen
Flocken. Wie der Wind waren die Bäume mit Schnee bedeckt, die Autos bekamen
eine Haube aus Schnee, die Leute, die noch unterwegs waren, sahen aus wie
Schneemänner und sogar auf den Hochspannungsleitungen und den Antennen lag hoch
der Schnee. So kräftig hatte es lange nicht mehr geschneit, dachte ANNA. Sie saß
gedankenversunken am Fenster und schaute dem lustigen Schneetreiben zu. Es war
eine einzige weiße Pracht, wenn man hinausschaute. Dies
war der Tag, an dem ANNA, ein kleines fünfjähriges Mädchen, den Weg ins Land
der Träume fand. Denn,
während sie so am Fenster saß und dem Treiben zuschaute, ging etwas
eigenartiges mit ihr vor. Obwohl sie hellwach war, versank die Gegenwart um sie
herum immer mehr. Je weißer alles wurde, um so weiter entfernten sich die
Gedanken ANNAs. Sie vergaß alles um sich herum und das viele Weiß, das sie
draußen sah, verwandelte sich langsam zu einem gläsernen Meer. Und sie wußte,
daß hinter diesem Meer das Land der Träume lag. Niemand hatte ihr je davon erzählt,
aber jetzt, da sie an der Grenze eben dieses Meeres stand, da war ihr klar, daß
nach diesem Hindernis das Reich der wunderbaren, schönen, traurigen, grausigen
Träume lag. ANNA überlegte nun, wie sie das Gläserne Meer überwinden könne,
denn sie wollte unbedingt dieses geheimnisvolle Land, in dem sich schon so viele
ihrer Träume abgespielt hatten, kennenlernen. Sie war richtig davon besessen,
dieses Land in allen Teilen zu durchforschen und selbst die Gedanken an manch
grausigen, schrecklichen Traum brachten sie nicht mehr davon ab. ANNA
versuchte es zu Fuß über das Gläserne Meer zu kommen, aber jedesmal rutschte
sie aus und es schien ihr fast, als würde das Meer mit jedem Schritt, den sie
machte, mit jedem Mal, wo sie es berührte, eine Winzigkeit zurückweichen. –
Wollte das Gläserne Meer nicht überschritten werden? - So kam sie nur langsam
vorwärts. Die gläserne Grenze wurde nun doch immer schmaler und schließlich
war sie ganz verschwunden. Aber da wartete schon das nächste Hindernis auf
ANNA. Ein breiter Fluß hinderte sie daran, sogleich ins Land der Träume
einzutreten. Es waren sogar Wachen aufgestellt. Kleine, zottige Wesen, so wie
ANNA sie in noch keinem ihrer Träume je erlebt und gesehen hatte. Diese kleinen
Wesen bewachten ihr Traumland sehr scharf, denn es war schon öfters der Fall
gewesen, daß Menschen kamen, die das Land zerstören wollten. Sie
unterzogen jeden, der ankam und ins Land der Träume wollte, einigen Prüfungen,
manche leichter, manche schwerer. So war es auch bei ANNA: Nachdem
sie lange von allen Seiten beschaut worden war, trat einer aus der Reihe der
Bewacher hervor. Zuerst stellte er sich vor:" Ich bin QUENDOLIN, der
Chefbewacher des Traumlandes. Wer bist Du und was willst Du hier?" ANNA
antwortete:"Ich heiße ANNA und komme aus einem kleinen Dorf, das WINDOWIN
heißt.. Es liegt mitten in einem großen Wald. Was ich hier will? Nun, es
geschah, als ich zum Fenster hinausblickte. Der viele Schnee , der gefallen war,
verwandelte sich in ein gläsernes Meer, das ich ja, wie ihr wißt, schon überwunden
habe. Und jetzt stehe ich da, am Fluß, bei Euch. Es geschah alles so, als ob es
so sein mußte. Es hat keinen besonderen Grund, daß ich hierher kam. ( Es hatte
schon einen Grund, daß gerade ANNA hierher fand, aber das erfahrt ihr später
in der Geschichte.) Aber, da ich nun schon mal den Weg bis hierher geschafft
habe, so würde ich gerne das Land der Träume sehen. Ich würde so gerne die
1000 Träume sehen, die schon geträumt wurden:" QUENDOLIN
unterbrach ANNA hier. Er sagte zu ihr :"Nun, ich glaube, daß Dich keine bösen
Absichten ins Land der Träume führten. Aber trotzdem müssen wir Dich überprüfen.
Das verstehst Du doch? Und vor allem muß ich Dich warnen, denn es gibt nicht
nur schöne Träume im Traumland, es gibt auch schlimme, böse Träume, vor
denen sogar wir, die Bewacher, Angst haben!" Doch
ANNA war fest entschlossen, das Traumland zu bereisen. QUENDOLIN rief zwei
seiner Untertanen, BEROLIN und QUIROLIN, und sie brachten einen riesigen
Spiegel, den sie vor ANNA aufstellten. Doch bevor der Spiegel in Aktion trat,
sagte QUENDOLIN zu ANNA:" Du mußt wissen, daß wir durch diesen Spiegel
die Wahrheit erfahren; ob Du uns angelogen hast, oder was Deine Absichten sind,
all das erfahren wir nun hier! Bist Du wirklich dazu bereit?" ANNA
nickte nur. Rundherum
wurde es dunkel, nur der Spiegel war hell erleuchtet. Noch war es, als ob Nebel
das Bild verhüllte, doch nach und nach wurde der Nebel durchsichtiger. ANNAs
Augen wurden immer größer, denn sie sah immer deutlicher ihr Dorf in dem
Spiegel; zuerst nur von weiter Entfernung, dann immer näher und zum Schluß sah
sie ihr Fenster und sich selbst. QUENDOLIN
stoppte das Vorgehen für einen Moment. Zu ANNA gewandt sprach er: „ Du
siehst, obwohl keiner von uns hier Dein Dorf kennt, so sehen wir es hier und wir
wissen, daß es das Dorf WINDOWIN ist, denn man sah es Dir an. Dein zufriedener,
glücklicher Blick, als Du das Dorf erkanntest, sagte uns, daß es die Wahrheit
ist. Doch nun weiter!" befahl QUENDOLIN und das starre Bild im Spiegel
bewegte sich wieder. ANNAs
Figur wurde immer deutlicher, ebenso die Landschaft vor dem Fenster, aus dem
ANNA hinausblickte. Und ANNA sah nun im Spiegel der Bewacher, was mit ihr
geschehen war. Sie sah, wie der weiße Schnee vor ihr sich langsam zu dem Gläsernen
Meer verwandelte. Und sie sah, auf welche Weise sie das riesige Meer überwunden
hatte. ANNA mußte manchmal lachen, an Stellen, wo sie sich auf dem Meer
ausrutschen und hinfallen sah. Schließlich sah sie auch den Fluß und die
Bewacher und sah sich selbst vor dem Spiegel neben QUENDOLIN stehen. QUENDOLIN
zog sich nach Beendigung des Spiegelbildes mit seinen anderen Bewachern zurück
zur Beratung. Es dauerte lange und ANNA wurde langsam ungeduldig, denn sie hatte
ja keine Ahnung, was nun kam! Und je länger es dauerte, umsomehr verwandelte
sich ihre Ungeduld in Angst. Doch schließlich war die Beratung zu Ende und
QUENDOLIN kam, das Ergebnis zu verkünden. „ANNA",
sagte er, "nach einer langen Beratung sind wir zu dem Entschluß gekommen,
Dich keinen weiteren Prüfungen zu unterziehen. Wir sind der Meinung, daß Du
ein gutes Menschenkind bist, und keine bösen Absichten mit Dir führst. So
wollen wir Dich über den Fluß OWIN übersetzen und Dir einen Mann aus unserer
Truppe zur Begleitung mitschicken. Denn das Traumland ist groß und weit, und
BEROLIN kennt es gut, er kennt jeden Winkel und weiß, wo die Gefahren
lauern." ANNA
fiel ein Stein vom Herzen und die Angst verflog. Sie war froh, das QUENDOLIN ihr
einen Begleiter mitgab, denn, um das Land der Träume alleine zu durchqueren
fehlte ihr doch ein wenig Mut. So bedankte sie sich bei dem Chefbewacher und
seinen Untertanen:" Ich weiß nicht, wie ich Euch danken soll und ich weiß
Euer Vertrauen zu schätzen. Habt auch Dank, daß BEROLIN mich begleiten kann,
denn allein hätte es mir zur Durchwanderung doch an Mut gefehlt!" – Was
ANNA noch nicht wußte, ist, daß dieses Erlebnis in keinem Fall eine gemütliche
Wanderung würde.- QUENDOLIN
gab indes seinen Leuten ein Zeichen, und wie durch ein Zauber war am Ufer des
Flusses OWIN ein weißes Kanu festgemacht und BEROLIN wartete bereits darauf,
mit ANNA den Fluß zu überqueren. ANNA stieg in das weiße Kanu, das ihr wie
eine große, weiße Wolke vorkam. Kaum, daß sie beide Füße im Kanu hatte,
legte BEROLIN auch schon ab und die Fahrt ins Reich der Träume begann. ANNA
war- obwohl sie nicht alleine war- doch sehr mulmig zumute. Was würde sie
sehen? Wieviel Angst mußte sie vor den schlimmen Träumen, den ALPS haben? Am
liebsten hätte sie nur die schönen Träume gesehen. Aber sie wußte, daß sie
auf dieser Reise alles sehen würde, alles sehen mußte! Es gibt nur ein Reich
der Träume und das beherbergt ALLE Träume- gut und böse, freundlich und gehässig,
voller Glück und voller Schmerz, einfach alles. Während
ANNA so ihren Gedanken nachhing und am liebsten wieder umgekehrt wäre, kamen
sie an eine wunderschöne Blumenwiese. Über den Blumen schwirrten hunderte
wunderschöne Schmetterlinge, die Sonne lachte, als ob sie niemals untergehen würde.
ANNA war entzückt und BEROLIN schaute ihr einfach nur zu. Es war ein einfacher,
schöner Traum voll Sonne und Leben, voller Farben. ANNA genoß den Anblick und
vergaß einen Moment lang die Angst ihren bösen ALPS zu begegnen. BEROLIN ließ
sie eine ganze Weile gewähren, wie sie über die Wiese sprang, die Blumen und
Schmetterlinge bestaunte und keine Worte für diese nie gesehene Vielfalt fand.
Es machte ihn glücklich, ANNA so zu sehen. Was würde noch alles auf das arme
Menschenkind zukommen, von dem es noch nichts ahnte! So
unbekümmert wie er ANNA sah, erwachte in BEROLIN eine kleine Saat der Hoffnung,
daß das Reich der Träume doch noch nicht verloren sei. Bevor
wir zu ANNA und ihrer Fahrt durch das Land der Träume zurückkehren, muß ich
Euch noch eine traurige Seite der Geschichte erzählen. Aber darauf habt ihr
bestimmt schon gewartet? Die
kleinen zottigen Wächter an der Grenze zum Land der Träume waren seit einiger
Zeit in großer Sorge und Angst um ihr Reich. Denn immer öfter geschah es, daß
sich Wesen von dunkler Gestalt auf unerklärliche Art ins Traumland
einschlichen. Mit ihnen zog ein dunkler Schatten,, der all die schönen ,
lustigen, guten Träume zudeckte und nur die bösen, schlechten, Angst machenden
Träume übrigließ. Wißt
ihr, im Land der Träume sind auch nicht nur die schon geträumten Träume zu
finde, da finden sich auch all die Träume, die noch geträumt werden müssen,
Nacht für Nacht, irgendwo auf der Welt von irgendeinem Menschenkind. Auch all
die kleinen schönen Tagträume, die einen oft den Alltag mit den ganzen Sorgen
kurz vergessen lassen, findet man da. Nur
mit jedem Schattenwesen werden einige dieser Träume vernichtet und die Menschen
können immer weniger von schönen, glücklichen Momenten träumen. Durch die bösen
Träume werden die Menschen immer ängstlicher und böser. Und
das ist genau das Ziel, was XARASAD, der Herrscher über die Schattenwesen, möchte.
Nur, wenn die Menschen voller Angst sind und böse werden, kann er sie und somit
die ganze Welt beherrschen. Noch hat ihn je einer gesehen, denn die
Schattenwesen machen ihre Arbeit gut. XARASAD wird sich den Menschen erst
zeigen, wenn auch der letzte gute Traum ausgelöscht ist. An dem Tag wird er der
Herrscher sein. Aber
die Menschenkinder in der ganzen Welt wurden auf eine seltsame, für niemanden
zu begreifende Art vor dieser Gefahr gewarnt. In einer Nacht, in der besonders
viele Sterne am Himmel standen und unendlich viele Sternschnuppen zur Erde
flogen, hatten überall auf der Welt Menschenkinder – so wie ANNA – den
selben Traum. In diesem Traum erfuhren sie von dem Land der Träume, dem Gläsernen
Meer, dem Fluß OWIN und den kleinen, zottigen Wächtern QUENDOLIN, BEROLIN und
QUIROLIN und all den anderen Gehilfen. Und natürlich erfuhren sie von der
Gefahr durch XARASAD und seinen Schattenwesen. Aber
da war auch der kleine Sternenkobold, JUWIN, der ihnen in dem Traum erklärte,
wie das Land der Träume vielleicht zu retten sei.: Einem Menschenkind muß es
gelingen, ohne daß es an das Land der Träume denkt, durch einen Traum
hineinzugelangen und es zu durchwandern, um all die Schatten zu verjagen und die
schönen, guten Träume wieder zu befreien. Natürlich müssen auch die ALPS
bleiben, denn es gibt nun mal auch schlechte Träume. Aber das sollte auch
Aufgabe des Menschenkindes sein, dies herauszufinden, welche Träume von
XARASADs Schattenwesen böse gemacht wurden. Damit dies alles geschehen konnte,
mußte der kleinen Sternenkobold den Staub des Vergessens über die
Menschenkinder streuen, denn keiner durfte sich an den Traum erinnern, sonst wäre
die Chance verloren, das Land der Träume je zu retten. Seit
dieser Nacht, in der JUWIN diese Botschaft an die ganze Welt gesandt hatte,
waren viele Monde und Sonnen auf- und untergegangen. Bis
zu dem Tag, an dem ANNA an ihrem Fenster saß und dem Schnee...... aber das wißt
ihr ja schon! Nun
weiter zu ANNAs Erlebnissen im Land der Träume. BEROLIN drängte nun doch zur
Weiterfahrt, denn sie hatten noch einen langen, beschwerliche Weg vor sich. ANNA
fiel es schwer, sich von der schönen bunten Wiese loszureißen. Sie war fast
schon wieder am träumen. BEROLIN holte sie sanft aus ihren Träumen zurück.
„ANNA, Du weißt, warum Du hier bist, warum wir gerade Dich heute über die
Grenze ins Land der Träume gelassen haben. Komm wir müssen weiter . Die Zeit
drängt!" ANNA
blickte ihn fast ein wenig böse an, dachte aber dann über seine Worte nach und
plötzlich wußte sie alles. Der Traum fiel ihr ein, den sie vor langer Zeit
geträumt hatte und die Botschaft, die JUWIN darin überbrachte.Und sie bekam
noch mehr Angst. Sie wurde sich bewußt, daß ausgerechnet sie das Menschenkind
war, das das Land der Träume vor XARASAD und seinen Schattenwesen retten
sollte. BEROLIN sah die Angst in ihren Augen und er nahm sie sanft in den Arm,
um sie zu beruhigen. „ANNA, ich weiß, es wird sehr schwierig werden und wir
werden viele Gefahren überstehen müssen. Aber glaub mir, Du bist die einzige,
die uns und das Traumland retten kann! Und vergiß NIE : Du bist nicht allein!
Ich bin die ganze Zeit bei Dir und wir werden in vielen Träumen Freunde und
Verbündete finden, die mit uns den Gefahren entgegengehen werden. Also, Kopf
hoch! Wir müssen jetzt schleunigst weiter!" ANNA
blickte ihm in seine leuchtendblauen Augen: „Ja, BEROLIN, ich weiß. Laß uns
weitergehen." ANNA
und BEROLIN stiegen in das weiße Kanu und ließen die Schmetterlingswiese
hinter sich.. ANNA blickte sich um auf der Suche nach dem nächsten Traum. Noch
war nichts zu sehen. Aber irgendwo, ganz weit weg an Horizont sah sie dunkle
Schatten und sie begann zu frösteln. „ Laß uns in Richtung der Schatten
fahren! Ich will sie lieber gleich kennenlernen und XARASAD und sein Werk
vernichten." ANNA gab sich kämpferisch, aber in Wirklichkeit hatte sie
einfach Angst. Sie wollte so gern tapfer sein und alles in Ordnung bringen, wo
doch die ganze Welt nur auf sie hoffen konnte. BEROLIN schwieg und steuerte das
Kanu langsam in Richtung der drohenden Schatten. Auch ANNA schwieg. Es war
unheimlich, denn auf der ganzen Strecke war nicht ein einziger Traum zu finden.
Die Schattenwesen schienen doch schon mehr Träume verdeckt zu haben, als
angenommen. Plötzlich waren die Schatten verschwunden. Wo waren sie? Oder
hatten sie sich nur getäuscht? War alles nur ein böser Traum? Fragen über
Fragen, die beide- weder ANNA noch BEROLIN - beantworten konnten. Doch
die Schatten waren da, näher als die beiden glaubten und dunkler denn je. Es
gehörte zu XARASADs Plan, die beiden noch ein wenig irre zu führen. Er hatte längst
gemerkt, daß ANNA genau DAS Menschenkind war, das er niemals im Reich der Träume
haben wollte. Aber er war der große XARASAD und lachte über das kleine
Menschenkind. Er sah keine Gefahr für sich in den beiden und ließ sie erst mal
weiterziehen und ein paar Träume bereisen. Später wollte er die beiden einfach
im Schatten verschwinden lassen. XARASAD war sich sehr sicher, zu sicher, daß
ANNA und BEROLIN für ihn keine Gefahr darstellten. Wie
schnell er das erfahren mußte, werdet ihr noch sehen. ANNA
und BEROLIN indessen fuhren mit ihrem Kanu weiter und kamen bald an einem neuen
Traum an. Es war ein herrlich blauer See mit einem kleinen, gemütlich
aussehenden Haus am Ufer und mit einem wunderschönen Segelboot auf dem Wasser.
Die Segel blähten sich lautlos im Wind, die Sonne lachte und die Leute wirkten
glücklich. Es waren ein Mann, eine Frau und ein kleines Kind zu sehen. Die drei
strahlten Ruhe und Geborgenheit aus. Das Glück, das sie miteinander teilten,
stand ihnen im Gesicht geschrieben. Ein wunderschöner Traum, dachte ANNA, so
voller Liebe und Zufriedenheit, wie der Mann dem Kind zärtlich über den Kopf
strich und die Frau den beiden zuschaute. Ihre Augen drückten die Liebe aus,
die sie für die beiden empfand und Dankbarkeit für dieses kleine Glück.- ANNA
war erstaunt, daß sie einen so schönen Traum zu sehen bekam und daß sie so
viel darin lesen konnte. Trotzdem waren ihre Gedanken auch bei XARASAD und
voller Sorge über seine Pläne. Wo war er? Was war mit den Schatten? Sie
blickte suchend in alles Himmelsrichtungen, aber es war nichts zu sehen. ANNA
blickte zu dem Traum zurück, aber er verblaßte langsam. Sie hatte gar nicht
bemerkt, daß BEROLIN schon weiterfuhr, so war sie in Gedanken gewesen. Am
liebsten wäre sie in dieser kleinen heilen Welt am See geblieben.... BEROLIN
erriet ihre Gedanken und hielt kurz an, aber sie drängte zum weiterfahren. Der
Auftrag durfte nicht gefährdet werden, und das könnte passieren, wenn sie bei
den schönen träumen zu lange verweilen. XARASAD schläft nicht. Er ist den
beiden näher, als sie es ahnen. Allerdings spürt ANNA langsam die Gefahr näherkommen
und sie fühlt sich beobachtet. Ein eisiger Schauer fuhr ihr den Rücken
herunter aber sie schwieg. BEROLIN steuerte das Kanu ruhig, aber schnell weiter. Es
dauerte nicht lange, bis sie zu einem neuen Traum kamen. Ein Traum voller Angst,
Angst vor dem Leben, Angst vor dem Tod. Ein kleines Mädchen rannte durch die
Straßen eines kleinen Dorfes, verfolgt von Panzern, die es zu überrollen
drohen. Es schien keine Sonne, der Himmel war grau und verhangen und das Mädchen
rannte....Schaurig fuhr es ANNA durch alle Glieder. Kein schöner Traum, aber
sie spürte, daß es keins von XARASADs Werken war. Der Traum war echt. Sie
beruhigte sich nur schwer und ließ BEROLIN schnell weiterfahren. Die nächsten
Träume waren ähnlich schlimm : Menschen, die in dunkle Löcher fallen und
keinen Schrei mehr haben; Menschen, die plötzlich ganz alleine sind, von allen
verlassen, mit einer entsetzlichen Angst in den Augen. Diese Angst in den Augen
kannte ANNA nur z u gut. Einen ähnlichen Traum hatte sie auch schon öfter geträumt.
Sie kannte das Gefühl nur zu gut, wenn man plötzlich ganz alleine ist. „Weiter,
BEROLIN! Bitte fahr weiter! Ich weiß, ich muß mir das alles ansehen, aber mich
überfällt eine tiefe Traurigkeit, wenn ich hier noch länger verweile. Es sind
keine von XARASADs Schattenträumen, ich hab diese Träume schon lange vorher
geträumt. Fahr weiter, fahr weiter!" Ich muß einen klaren Kopf für meine
Aufgabe behalten...Sie machte eine kurze Pause...und ich wünschte mir, ein
wenig Sonne und Lachen zu sehen." BEROLIN
stieß vom Ufer ab und sie fuhren durch einen dichten Nebel, der sich aber ganz
langsam lichtete, so, als ob ANNA erhört wurde und die Sonnenstrahlen
durchbrechen wollten. Aber die kleinen leuchtenden Punkte waren Lichtelfen, die
sie zum nächsten Traum geleiteten. Sie schwirrten kichernd um die Köpfe der
beiden und wollten helfen, die letzten düsteren Träume zu vergessen. Die
Lichtelfen wurden zum festen Bestandteil der Reisetruppe und ihr Dasein sollte
sich noch als sehr nützlich erweisen. Die
Reise ging nun in schneller Fahrt durch viele gute und weniger gute Träume- sie
hier alle aufzuzählen, würde kein Ende nehmen- und ANNA wurde langsam sehr
unruhig, denn weit und breit war nichts von XARASAD zu sehen oder zu spüren.
Sie kamen immer tiefer ins Innere des Traumlandes und das Gefühl, daß
schreckliche Dinge passieren, wurde hier immer stärker. Es wurde immer dusterer
um sie herum und sie waren froh, daß sie die Lichtelfen dabei hatten. Es waren
auch Träume zu sehen, aber sie lagen unter dunklen Schatten und kein Laut drang
nach außen. Man konnte aber das Entsetzen spüren, das die Figuren in den Träumen
quälte. Die ersten Spuren von XARASAD waren aufgetaucht. ANNA versuchte, den
Schatten von dem Traum zu ziehen, aber ohne Erfolg. So sehr sie sich auch mühte,
der Schatten lag schwer auf dem Traum. Eine panische Angst überfiel sie. Wie
sollte sie als schwaches Menschenkind nur dieses Unheil besiegen? Sie setzte
sich auf einen Stein und überlegte. Da kam ihr eine Idee, die sie ausprobieren
wollte. Sie stellte sich vor den Schatten und versuchte, zu träumen. Das ist
natürlich nicht ganz einfach, denn Träume kann man nur schwer , wenn überhaupt,
beeinflussen. ANNA strengte sich so sehr an, daß sie fast ohnmächtig wurde.
Und genau in dem Moment rutschten ihre Gedanken ins Traumland hinüber. Sie träumte
von den Figuren, die in dem Traum gefangen waren. Ohne es zu wissen, träumte
sie genau den Traum, der da gefangen lag. Als sie wieder zu sich kam, war der
Schatten von dem Traum verschwunden und die Figuren überschütteten ANNA mit
Dank. Doch ANNA wußte nicht mehr, was passiert war. Aber sie freute sich mit
allen. XARASAD
war furchtbar böse, hatte er ANNA doch unterschätzt! Sein Vorhaben war allem
Anschein nach doch in Gefahr. Er mußte rasch handeln. ANNA spürte einen
furchtbaren Stich in ihrem Körper und konnte nichts dagegen tun. XARASAD legte
einen bösen Traum auf ANNA. Schwarze Gestalten umschlungen sie, stellten ihr
fast die Luft ab, sie konnte nichts mehr sehen. Voller Verzweiflung dachte ANNA
an all die schönen Dinge, die sie bist jetzt gesehen hatte und versuchte sich
zu wehren. Es gelang ihr, ein paar Schattengestalten zum Verschwinden zu
bringen, aber für jede, die verschwand, tauchten zwei neue auf. ANNA schrie um
Hilfe und im gleichen Moment wußte sie doch, daß keiner da war, ihr zu helfen.
Es war nur ihr Traum ganz allein und sie mußte es ganz alleine schaffen. Sie kämpfte
mit den Gestalten bis zur Erschöpfung. Aber sie schaffte es nicht. XARASAD
lachte auf! Er sah sich als Sieger und glaubte, das Menschenkind von seinem
Vorhaben abgeschreckt zu haben. Er lies die Schatten verschwinden und ANNA in
dem Glauben, ihn besiegt zu haben. Als ANNA wieder zu sich kam, sah sie sich
verwundert um. BEROLIN und die Lichtelfen waren um sie herum versammelt und
redeten alle durcheinander . „Warum hast Du so lange geschlafen? Wie kannst Du
jetzt nur träumen? Weißt Du nicht, warum Du hier bist?" ANNA schwirrte
der Kopf und sie ging wortlos zum Kanu und wollte weiterfahren. BEROLIN
und die Lichtelfen folgten schweigend zum Kanu und die Fahrt ging weiter. Dieser
Vorfall von eben wiederholte sich nun mehrmals, immer fiel ANNA in eine Ohnmacht
und keiner wußte, was geschah. Es ging dabei um gute und um weniger gute Träume,
denn alle mußten ja befreit werden. Ein paar mal machte XARASAD das Spiel noch
mit, bis er merkte, daß ANNA doch stärker in ihrem Herzen ist, als er glaubte.
Sie gab nicht auf und ließ sich nicht beirren. Sie schaffte es jedesmal, die
Schatten von den Träumen zu nehmen. Es dauerte aber jedesmal länger, bis es
ihr gelang. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Nun hatte sie Glück, daß sie bis
jetzt keinen schwarzen Traum von XARASAD aufgedeckt hatte. Sie wollte sich nur
ausruhen, sie konnte nicht mehr. Trotz aller Einwände von BEROLIN und den
Lichtelfen legte sie sich hin und schlief ein. XARASAD sah die Chance gekommen,
ANNA einen furchtbaren Traum zu schicken, um sie endgültig von dem Plan
abzubringen, das Traumland zu retten. Er würfelte alle schlechten Gedanken,
alle furchtbaren Dinge zusammen und es wurde ein grauenvoller ALP. Lachend
schaute er ANNA zu, wie sie sich im Traum wand, um sich schlug, voller
Verzweiflung schrie und niemand sie hörte. ANNA war schweißgebadet. Sie stürzte
in schwarze Löcher und die Hände, die sich ihr entgegenstreckten, hielten sie
nicht fest, sie war ganz allein, obwohl sie überall Gesichter sah, sie ging
unter in den Fluten des Meeres, all das ließ XARASAD mit ihr geschehen. Er
wollte, daß ANNA am Ende des Traumes nur noch böse ist, böse auf alle ihre
Freunde, böse auf die guten Träume und so böse, daß sie ihm untertan ist.
Dann hätte er ein leichtes Spiel mit dem Rest und bald würde ihm die Welt gehören.
Aber er kannte ANNA überhaupt nicht. ANNA litt furchtbar in diesem Traum. Einen
solchen ALP hatte sie noch nie erlebt und sie war froh, als sie die Augen wieder
aufmachen konnte. Wie
froh war sie, BEROLIN und die Lichtelfen zu sehen! XARASAD wartete einen Moment,
bevor er sich so aufregte, daß es blitzte und donnerte und der Himmel sich
verdunkelte. Wie konnte es sein, daß sein schlimmster Traum dieses Menschenkind
nicht auf seine Seite brachte? Er rief alle seine Schattengestalten zur
Versammlung, um zu beraten. ANNAs Stärke machte ihm Angst. Erschrocken sah er
auf. Er, der große XARASAD hatte Angst. Das durfte doch nicht wahr sein! Er
schickte noch mehr Donner und Blitze aus, um seinem Unmut Luft zu machen. ANNA
hatte durch ihre Stärke, die sie im Traum bewies, schon den größten Teil der
Aufgabe erfüllt. Ohne es zu wissen, tat sie genau das richtige. ANNA wurde
deshalb ausgesucht, weil sie viel träumt und nicht nur gute Träume, sondern
auch ALPS gut kennt. Sie hat zwar Angst vor den ALPS, aber sie lies sich noch
nie davon beirren, denn es sind ja nur Träume. XARASAD
startete noch einen letzten Versuch. Er legte seinen dunkelsten Schatten auf
BEROLIN, das Kanu und die Lichtelfen. Vielleicht gelang es ihm auf diese Art,
ANNA zum aufgeben zu zwingen. ANNA
vernahm mit Schrecken, was geschah. Sie versank in eine tiefe Traurigkeit und
sah in die schwarze Leere. Nun war es soweit, daß XARASAD sich zeigte. Es war
eine häßliche, unförmige Gestalt. Kein Mensch, kein Tier, ein undefinierbares
Wesen, ein wahrer Alptraum! ANNA sah ihn lange an, schaute ihm direkt in seine
feuerroten Augen und überlegte. Sie schauderte, aber sie blieb stark,
jedenfalls in ihrem Innersten. Nach aussen hin spielte sie nun mit XARASAD ein
Spiel. Sie tat so, als sei sie durch seinen Einfluß böse geworden und auf
seine Seite gewechselt. „XARASAD- ja, ich weiß wie Du heißt! – ich kenne
Dich schon lange und habe sehr darauf gewartet, Dich endlich zu sehen. Gut, daß
Du es mir ermöglicht hast. Und gut, daß Du die anderen unter den schwarzen
Schatten hast verschwinden lassen. Ich konnte sie schon nicht mehr
ertragen!" XARASAD
war verwundert über diese Aussage von ANNA, aber er war geblendet und so sehr
mit sich zufrieden, daß er nicht bemerkte, wie ANNA ihm ganz geschickt eine
Falle stellte. ANNA
stellte ihm eine Frage: „Ich bin doch jetzt genau so böse wie Du und die
Schattenwesen, also kann ich doch auch jetzt Träume, die mir nicht gefallen,
mit den Schatten vernichten. Oder, XARASAD?" Er
war so angetan davon, daß ANNA es nicht erwarten konnte, ihre bösen Fähigkeiten
auszuprobieren, daß er ohne zu überlegen antwortete. "Aber natürlich,
denn da Du nun auch böse geworden bist, besteht keine Gefahr mehr und wir können
den Rest in aller Ruhe erledigen. Versuchs nur einmal." ANNA sah einen
kleinen schönen Traum, voller Licht und Farben und quirligem Leben und es tat
ihr weh, ihn zu verdecken. Aber sie mußte zuerst XARASAD überzeugen, daß sie
ihm gehörte. ( Später würde sie den Traum sofort wieder befreien.) Sie
brauchte nicht lange, um den Traum zu verdecken und XARASAD freute sich. Sie
zeigte es ihm an noch ein paar anderen Träumen und der große Meister schien
zufrieden. ANNA war es auch, denn nun wußte sie, daß sie diese Fähigkeit
durch XARASAD bekommen hatte und sie ihn mit genau dieser Fähigkeit vernichten
konnte. Sie
wartete einen günstigen Moment ab- XARASAD bereitete sich gerade in Gedanken
auf die große Übernahme der ganzen Welt vor- dann nahm sie all ihrem Mut
zusammen und sagte zu ihm: „XARASAD, schau mir in die Augen und sage mir was
Du siehst. Ich will von Dir hören, daß ich so gut bin wie Du!" XARASAD
war verwirrt, aber er schaute ihr genau in die Augen ( das war notwendig, damit
ANNA gleich ihren Zauber durchführen konnte!) und er sagte zu ihr:" Ja,
kleine, böse ANNA, ich bin stolz auf Dich, denn mein ALP hat Dich so böse
gemacht, wie ich es bin! ... Weiter kam er nicht, denn genau in diesem
Augenblick nahm ANNA alle Kräfte zusammen und legte den schwärzesten Schatten
über den großen XARASAD. Bis er richtig merkte, was mit ihm geschah, war es
schon zu spät. Er versuchte sich noch zu befreien, aber wie er wußte, gab es
ohne Hilfe von außen kein entrinnen. Er wollte zu ANNA und zu seinen
Schattengestalten schreien, aber in dem Moment, an dem XARASAD unter seinem
eigenen Schatten verschwand, waren auch alle anderen Schattengestalten
verschwunden. Der große XARASAD wurde immer kleiner und irgendwann war er ganz
verschwunden. Mit ihm verschwanden auch alle Schatten, die noch über
irgendwelchen Träumen lagen. ANNA
hatte es geschafft! Da
waren auch BEROLIN und die Lichtelfen wieder da und selbst QUENDOLIN und
QUIROLIN und die anderen Wächter waren gekommen. Der böse Spuk hatte ein Ende
und sie konnten erst mal ein wunderschönes Traumfest feiern. Danach gingen die
Wächter aber trotzdem wieder auf ihre Posten zurück, denn irgendwann wird es
vielleicht einen neuen XARASAD geben . Sie paßten gut auf, und machten ihre
Kontrollen in Zukunft noch stärker, damit so etwas gar nicht mehr passieren
konnte. Zur
Belohnung bekam ANNA noch eine Reise durch das Land der Träume geschenkt, da
sie ja bei der ersten Reise nicht das zu sehen bekam, was sie sich vorstellte.
Wenn sie jetzt so drüber nachdachte, war sie aber froh, daß sie das Glück
haben durfte, das Land der Träume zu retten. Nach
dem Fest ging die Fahrt gleich los und es war wunderschön. Sie traf noch einmal
die kleine, glückliche Familie, die sie mitnahmen zu einer Segelfahrt auf dem
blauen See , die Schmetterlinge von der Blumenwiese, die Lichtelfen und zum
Schluß tauchte sogar JUWIN auf. Er mußte sich ANNA einmal aus der Nähe
ansehen, denn auch er wußte damals nicht, welches Menschenkind ausgesucht
werden würde. Es
war noch eine lange Reise, denn BEROLIN zeigt ihr die verborgensten Winkel des
Traumlandes mit allen Träumen die es je gab und noch geben wird. Was würde sie
zu hause alles zu erzählen haben! Doch
irgendwann ist auch hier die Zeit für den Abschied gekommen und ANNA mußte zurück
in ihre Welt. Sie wußte nicht, wie das geschehen sollte, aber zuvor mußte sie
sich ja noch von allen verabschieden. Es gab manche Träne und viele herzliche
Umarmungen. Bevor
sie fragen konnte, wie sie denn jetzt zurückkommt, machte sie die Augen auf und
fand sich in ihrem Zimmer am Fenster und schaute hinaus. Es
fiel immer noch Schnee in dicken, weißen Flocken auf die Erde. Ob
sie jemals wieder vom Land der Träume hören oder träumen würde? Sei wußte
es nicht, aber sie wußte, daß sie es gerettet hatte und das nun alle Menschen
auf der Erde weiter ihre guten und weniger guten Träume haben dürften. Und das
machte sie froh. ANNA
konnte es gar nicht erwarten, abends ins Bett zu kommen und vielleicht einen
Traum zu haben. Von QUENDOLIN, BEROLIN, QUIROLIN, den Lichtelfen, JUWIN, ach, eigentlich war es ihr egal, was sie träumte, solange es wenigstens noch Träume gab! Copyright © 1999 Claudia Bertram |