Am 1.Mai fuhr meine Bärenmama Claudia Bertram, Ihr wißt schon, die mit den Knuffelbären, mit meinem etwas älteren Bruder
nach Bremerhaven um sich mit Freunden zu treffen. Mein Brüderchen hat mir nachher alles brühwarm erzählt. Das Treffen fand
auf einem Segelschiff statt. Als ich von diesen hohen Masten und dem riesigen Schiff hörte, stand für mich fest, ich werde ein
Seebär und fahre zur See. Da das Schiff genau in den gleichen Farben gehalten war wie mein Körper, wußte ich auch schon wie
ich heißen wollte. Sascha , weil es ein russisches Schiff ist und Krusibär nach dem Namen des Schiffes Kruhsenstern. Um auf
diesem Schiff zu fahren, mußte ich aber erstmal von der Freundin meiner Mama adoptiert werden. Der Abschied von Mama und
meinem Bruder war zwar nicht einfach, aber wenn sich ein Krusibär etwas in den Kopf setzt, dann führt er das auch durch.
Am 17.August war es endlich soweit. Wir flogen erstmal nach London und von da aus fuhren wir mit dem Zug nach Falmouth.
Reisen ist ja so aufregend. Fliegen finde ich auch ganz spannend, aber man muß sich ja entscheiden und mein kleines Bärenherz
schlägt nun einmal fürs Wasser.
In Falmouth sah ich zum ersten Mal mein Schiff. 115 Meter lang war das Schiff, ich konnte mich also 383 mal der Länge lang
ausstrecken. Die 4 Masten hatte eine Höhe von 56 Meter und wenn die 3400 Quadratmeter Segel aus feinstem Mohair gewesen
wären, wieviele Bären hätte man daraus machen können. Nachdem wir noch zwei Tage im Hafen verbracht hatten, ging es an
den Start. Denn wir fuhren Regatta.
Die ersten Tage kreuzten wir gegen den Wind und das Schiff hatte bis zu 20 Grad Schräglage. Das Wasser rauschte in grünen Wellen am
Kabinenfenster vorbei und ein Deck tiefer konnte man sogar Fische sehen. Am 4. Tag zeigte sich die Biskaya von ihrer besseren Seite.
Sonnenschein und tiefblaues Wasser. Mit 4-5 Windstärken und 4 Meter hohen Wellen flogen wir mit 14 Knoten dem Ziel entgegen. Für die
Landratten, unter den Lesern, das sind 26 Km/h. Ganz schön schnell für so eine alte Dame.
Begleitet wurden wir von einer Gruppe Delphinen die sich in unserer Bugwelle tummelten. Wie gerne wäre ich auf den Delphinen geritten.
Bei diesem ruhigen Wetter durfte ich auch mit in den Mast steigen. Von dort oben sind die Menschen an Bord nicht viel größer als ich. Natürlich
habe ich auch bei allen anderen Arbeiten mit meine Bärenkräften zugepackt. Mit unseren Chiefmate Serge habe ich schnell angefreundet und wir
hielten manchen Plausch von Seebär zu Seebär.
Am 23.August hatten wir es geschafft. Um 22 Uhr passierten wir die Ziellinie. Nach berechneter Zeit waren wir als Sieger durchs Ziel gegangen.
Sofort wurden alle Segel geborgen und wir gingen auf Reede und ließen den Anker fallen. 3Tage mußten wir noch warten bis wir in Lissabon
einlaufen konnten. Das hat man davon wenn man so schnell ist. In dieser Zeit wurde das Schiff wieder auf Vordermann gebracht. Frei nach dem
Motto " Wer nicht klönt der pönt". Pönen heißt in der Seemannssprache anstreichen . Und so konnten wir, das Schiff und ich, in strahlendem
schwarz und weiß in die Mündung des Tejas einlaufen.
Von unseren Erlebnissen in Lissabon erzähle ich vielleicht ein anderes Mal. 3 Tage hatten wir um uns umzusehen und wir haben sie auch reichlich
ausgenutzt. Aber meine Adoptiveltern zog es wieder nach Hause in ihre gemütliche Bärenhöhle in der die anderen Bären schon sehnsüchtig auf
meine Reiseerzählungen warteten. Mit Sicherheit habe ich kein Seemannsgarn erzählt. Das wird nur in der Zeit gesponnen in der man zu Hause
bleiben muß. Aber am 19. September geht’s schon wieder los. Mal sehen wie mir Friesland gefällt.